High School in Kanada: Proudly represented by English in Canada: An International Teachers' Initiative 

Good Morning Rockway!
Christina Ernst wird mit einem "Special Recognition" Award
vom Stellvertretenden Schulleiter Dennis Wikerd geehrt. Christina ist eine blinde Gastschülerin aus Deutschland.  "Sie lehrte uns eine Menge durch ihre Ausdauer und Aufgeschlossenheit bei den vielen Herausforderungen, die sie mit Enthusiasmus anpackte."

 

Ein halbes Jahr an einer kanadischen High School

Es ist 8.10 Uhr an einem verschneiten Morgen Ende Januar. Musik schallt mir entgegen und im nächsten Moment bin ich mitten unter den über 400 Schülern, die sich lärmend durch die Flure des Rockway Mennonite Collegiates drängen. Nur gut, dass ich schon ein bekanntes Gesicht entdecke: Meghan hatte mir am Tag zuvor das Gebäude gezeigt und bringt mich zu meinem ersten Klassenraum. „Good morning Rockway", tönt es nun aus den Lautsprechern und mein erster Tag an der high school in Kitchener, Ontario hat begonnen.

Sehr schnell hatte ich mich am Rockway Mennonite Collegiate eingelebt. Von Anfang an fühlte ich mich dort sehr wohl und war immer wieder von der Herzlichkeit und Aufgeschlossenheit aller überrascht. Ein großer Teil der Schüler aus dem 11. und 12. Jahrgang kam sofort auf mich zu, stellte sich mir vor und wir kamen ins Gespräch. Bald hatte ich sehr gute Freunde gefunden und gemerkt, wie sehr jeder Einzelne Anteil an seinen Mitschülern nimmt. Natürlich gibt es auch am Rockway Cliquen und Gruppen, die sich voneinander abgrenzen. Doch trotzdem ist überall ein großes Gefühl von Gemeinschaft zu spüren und es ist eine Gemeinschaft, die nur allzu bereit ist, neue Mitschüler aufzunehmen und zu integrieren. Keiner bleibt lange allein in einer Ecke stehen.

Auch die Lehrer und das übrige Personal sind sehr offen und engagiert. Dank ihres persönlichen Einsatzes kann die Schule auch außerhalb des Unterrichtes eine Vielzahl von Aktivitäten anbieten. Austauschschüler, von denen das Rockway recht viele aufnimmt, werden als eine Bereicherung der Schule angesehen. Die Lehrer sind darum bemüht, sie gut in den Unterricht einzubeziehen und ihnen zu helfen, wenn ihnen die fremde Sprache Schwierigkeiten bereitet.

Auch ich habe viel Unterstützung und großes Entgegenkommen der Lehrer erfahren. Da ich blind bin, mussten wir gemeinsam Wege finden, um mir Unterrichtsmaterialien zugänglich zu machen. Das funktionierte auch sehr gut: Verschiedenste Lehrer, die mich teilweise gar nicht selbst unterrichteten, nahmen sich Zeit, um mir zu helfen (z.B. scannten sie Texte ein, damit ich sie auf meinem Computer lesen konnte).

Das Rockway ist eine mennonitische Schule. Religion spielt im Schulalltag eine größere Rolle als anderswo. Dabei kommt es aber nicht unbedingt darauf an, welcher Konfession man angehört oder ob man sich überhaupt etwas aus Religion macht. Den Schülern sollen vor allem Werte vermittelt werden wie Toleranz, Weltoffenheit, das Interesse an Anderen und die Bereitschaft, selbst aktiv etwas zu bewirken und zu verändern. Diese Botschaften werden im Unterricht immer wieder betont und sind wesentlicher Bestandteil der Vollversammlungen, die zweimal pro Woche stattfinden. Hier werden auch alle großen Ereignisse und Neuigkeiten angekündigt und ein aufmerksamer Schüler weiß so immer auch von dem, was in den Jahrgängen über und unter ihm passiert.

Ein halbes Jahr lang habe ich das Rockway besucht. Nun habe ich dort sehr viele Freunde, zu denen ich hoffentlich noch sehr lange Kontakt haben werde. Jedem von euch, der über einen Auslandsaufenthalt nachdenkt, kann ich dazu nur dringend raten: Die Erfahrungen, die ihr dort sammelt, werden einmalig sein und euch verändern. Und das Rockway ist eine Schule, an der auch ihr euch bestimmt wohlfühlen werdet.

Christina Ernst
Hannover im August 2001

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